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Explosives Wachstum bei Rechenzentrums-Hardware: Halbleiter-Umsatz steigt um 182 Prozent

Was im Tagesgeschäft als Preissprung wahrgenommen wird, ist die operative Seite einer Marktbewegung, die Dell'Oro Group jetzt beziffert hat: Der weltweite Umsatz mit Halbleitern und…

Explosives Wachstum bei Rechenzentrums-Hardware: Halbleiter-Umsatz steigt um 182 Prozent

Wenn der RAM plötzlich das Doppelte kostet

In den vergangenen Wochen häuften sich bei uns im Support die Anfragen zu einem ähnlichen Bild: Ein Kunde bestellt einen Standard-Rack-Ausbau, bekommt vom Großhandel die DRAM-Riegel geliefert – und stellt fest, dass der Stückpreis binnen eines Quartals beinahe auf das Doppelte geklettert ist. Was im Tagesgeschäft als Preissprung wahrgenommen wird, ist die operative Seite einer Marktbewegung, die Dell'Oro Group jetzt beziffert hat: Der weltweite Umsatz mit Halbleitern und Server-/Storage-Komponenten für Rechenzentren ist im zweiten Quartal 2026 im Vorjahresvergleich um 182 Prozent gestiegen. Haupttreiber waren DRAM-Module, Storage-Drives und KI-Beschleuniger für Hyperscale-Umgebungen.

Was hinter dem Sprung steckt – und warum er bis ins eigene Lager reicht

Dell'Oro-Analyst Baron Fung führt das Wachstum vor allem auf höhere Speicher- und Memory-Preise sowie anhaltende Investitionen in KI-Infrastruktur zurück. Nvidias Blackwell-Plattform und Custom-Beschleuniger von Google und Amazon gewinnen weiter an Tempo; gleichzeitig werde agentenbasierte KI zunehmend zum Treiber für klassische Allzweck-Server und verbreitere damit die Komponenten-Basis über das beschleunigte Rechnen hinaus. Das bedeutet für die Praxis: Die Knappheit trifft nicht mehr nur GPUs, sondern wandert direkt in den Mainstream-Storage-Bereich – DRAM, NAND/SSDs und HDDs, die in jedem Standard-Rack daneben liegen. Dell'Oro hält es zudem für möglich, dass Lieferengpässe am Ende sogar die Capex-Pläne der Hyperscaler selbst begrenzen.

Einen konkreten Eindruck von der Branchenlage liefert Dell Technologies mit dem Q2 FY 2027, das Futurum aufgearbeitet hat: Die Infrastructure Solutions Group wuchs um 89 Prozent auf 31,78 Milliarden US-Dollar. KI-optimierte Server verdoppelten sich auf 16,40 Milliarden, klassische Server und Netzwerk legten um 122 Prozent auf 10,53 Milliarden zu, und das Enterprise-Storage-Segment stieg um 26 Prozent auf 4,85 Milliarden Dollar. Auffällig ist der Auftragsbestand: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate seien über 130 Milliarden US-Dollar an KI-Server-Bestellungen gebucht worden, der Backlog lag zuletzt bei 95 Milliarden. Die Komponentenverfügbarkeit bleibt laut den Berichten der limitierende Faktor – was sich direkt auf Lieferzeiten und Konfigurations-Spielräume im Großhandel überträgt.

Worauf in den nächsten Quartalen zu achten ist

Parallel zeigen Hersteller, wohin die Reise technisch geht: Samsung hat mit der PM1763 eine Enterprise-SSD mit 28.400 MB/s für KI-Infrastrukturen vorgestellt, und 3 E Network Technology Group skizziert eine Full-Stack-AI-Storage-Strategie für den globalen KI-Ausbau. Beide Meldungen stehen für dieselbe Stoßrichtung – Storage rückt in die erste Reihe des KI-Bauplans, Bandbreite und Latenz entscheiden über die Eignung für Training und Inferenz. Für die eigene Beschaffung heißt das konkret: Erstens DRAM- und NAND-Preise im Auge behalten, weil Dell'Oro vorerst von hohen Komponentenpreisen ausgeht; zweitens Lieferzeiten für KI-Beschleuniger prüfen, weil der Backlog bei den großen Herstellern die eigenen Zeitfenster verkürzt; drittens den CPU-Server-Anteil neu bewerten, falls Agentic-AI-Workloads tatsächlich stärker auf klassischen Systemen laufen – das verbreitert die Komponentenbasis und macht die Bestelllisten länger, nicht kürzer.