Warum Flüssigkeitskühlung für KI-Rechenzentren zum neuen Industriestandard wird
Laut einem aktuellen Bericht von TrendForce steigt der Anteil flüssigkeitsgekühlter KI-Chips von rund 33 Prozent im Jahr 2025 auf 53 Prozent im Jahr 2026.

Der Wechsel ist eine direkte Folge der Verlustleistungsexplosion: Einzelne KI-Beschleuniger überschreiten die 1-kW-TDP-Marke, Rack-Scale-Konfigurationen liegen im dreistelligen Kilowattbereich. Für IT-Großhändler und Systemintegratoren bedeutet das eine Verschiebung des Sortiments weg von Luftkühlungslösungen hin zu Cold Plates, Manifolds und Coolant Distribution Units.
Thermische Schwelle und Plattformwechsel
Wenn die TDP eines Chips die 1 kW übersteigt, wird konvektive Kühlung ineffizient. Die Sperrschichttemperaturen lassen sich nicht mehr ohne komponentennahe Flüssigkühlung in den spezifizierten Bereichen halten. TrendForce führt drei Treiber an:
- NVIDIA GB- und VR-Rack-Scale-Lösungen: Verdopplung der Auslieferungen 2026. Der GPU-Rack-Absatz wächst weiterhin um mehr als 30 Prozent pro Jahr.
- AMD Helios: Plattformstart 2H26, Großauslieferung 2027. MI450 und nachfolgend MI500 treten als vollständig flüssigkeitsgekühlte Generationen an.
- Google TPU: Flüssigkeitskühlung bereits in über 80 Prozent der KI-Server. Die Architektur wird vom Single-Server- auf das Rack-Scale-Design erweitert.
Die NVIDIA-Plattform Vera Rubin ist nach den vorliegenden Angaben komplett lüfterlos und durchgängig flüssigkeitsgekühlt. Der Effekt reicht über CPU und GPU hinaus: Auch CX9-NICs, Busbars, Power Boards und optische Transceiver-Module gehen in die Kühlschleife ein.
Lieferkette und Komponenten
TrendForce benennt Cooler Master, AVC, BOYD und Auras als Hauptzulieferer für Cold Plates. AVC startet im dritten Quartal mit der Auslieferung von Vera-Rubin-Cold-Plate-Modulen und ist bereits in den Lieferketten von AWS, Google, Meta und OpenAI vertreten. Beim Heat Spreader für Rubin weicht NVIDIA vom ursprünglichen zweiteiligen Design ab und nutzt aufgrund von Substratverzug übergangsweise ein einteiliges Format. Jentech ist nach den vorliegenden Informationen derzeit alleiniger Lieferant dieser Heat Spreader.
Was Einkauf und Betrieb jetzt prüfen sollten
- PUE-Annahmen aktualisieren. Flüssigkeitskühlung senkt die Power Usage Effectiveness gegenüber Luftkühlung messbar und ändert die Strom- und Klimatisierungskalkulation.
- Rack-Dichte neu rechnen. Der Sprung auf mehrere Hundert Kilowatt pro Rack verlangt überarbeitete Stromverteilung, Busbars und Schutzkonzepte.
- Wartungs- und Leckagepfade definieren. CDUs, Manifolds und Dielektrika gehören in Inventar, Wartungsverträge und Ersatzteilplanung.
- Lieferantenportfolio prüfen. Engpassrisiken bestehen derzeit bei AVC (Cold Plates) und Jentech (Heat Spreader).
| Parameter | TrendForce-Projektion |
|---|---|
| Flüssigkeitskühlung KI-Chips 2025 | ca. 33 % |
| Flüssigkeitskühlung KI-Chips 2026 | 53 % |
| Flüssigkeitskühlung KI-Chips 2027 | ~60 % |
| TDP einzelner KI-Chips | > 1 kW |
| Rack-Scale-Verbrauch | mehrere 100 kW |
| GPU-Rack-Wachstum YoY | > 30 % |
| Google TPU Flüssiganteil | > 80 % |
Für den IT-Großhandel folgt daraus eine konkrete Sortimentsfrage. KI-Workload-Server werden künftig als gebündelte Einheit aus Server, Kühlungslösung und Servicepaket kalkuliert, nicht als reine Hardwareposition mit Kühlzubehör im Anhang.