Europäische Cloud-Infrastruktur: Wege zur digitalen Souveränität durch Edge-Computing
70 Prozent Marktanteil halten die US-Hyperscaler Microsoft, Amazon und Google am europäischen Cloud-Markt.

Wie openPR.de unter Berufung auf die EU-Kommission meldet, antwortet Brüssel darauf mit dem IPCEI-CIS-Förderrahmen und Open-Source-Architekturen wie SAPs ApeiroRA. Wenn zentrale Cloud-Kapazitäten durch Latenz, Bandbreitenbedarf und Vendor-Lock-in limitiert sind, verlagert das Projekt Verarbeitungslasten an dezentrale Edge-Knoten und reduziert Round-Trip-Zeiten sowie zentrale Datenströme.
ApeiroRA: IPCEI-CIS-Architektur
Die Referenzarchitektur definiert drei Funktionsblöcke: zentrale Rechenzentren für persistente Speicherung und komplexe Langzeitanalysen, dezentrale Cloud Edges für latenzkritische Operationen, standardisierte Datenräume für organisationsübergreifenden Austausch. Fraunhofer ISST und AISEC liefern die wissenschaftliche Basis auf Vorarbeiten des Exzellenzclusters CCIT; SAP übernimmt industrielle Skalierung. Edge-Standorte umfassen Turmfüße von Windkraftanlagen, Betriebshöfe und Produktionshallen.
Andreas Schlosser (Apeiro-Koordinator Partnerschaften & Integrationen, SAP SE) beschreibt die Arbeitsteilung als Kombination wissenschaftlicher Exzellenz und Umsetzungsstärke. Heinrich Pettenpohl (Abteilungsleiter IT Service Providers, Fraunhofer ISST) leitet aus dem Edge-Potenzial den strategischen Hebel ab: Cloud Edges ermöglichen europäischen Unternehmen direkten Zugriff und lokale Datenablage.
STACKIT und das ES³-Framework
CIO DE dokumentiert mit STACKIT eine komplementäre Architektur. Schwarz Digits betreibt die Plattform nach dem Prinzip "Sovereign by Design" auf Basis von OpenStack und Kubernetes. Das European Sovereign Stack Standard (ES³) Programm definiert ein vierstufiges Sovereignty Maturity Level (SML), das architektonische Kriterien (Open Source, Confidential Computing) mit dem BSI-C5-Sicherheitsstandard verknüpft. Bernie Wagner (CSO Schwarz Digits) formuliert die Souveränitätsdefinition als vertragliche Option: Souveränität bedeute, vom Verhandlungstisch aufstehen zu können.
Shared Sovereignty und Dortmund-Termin
Für budgetlimitierte Organisationen adressiert das Konzept "Shared Sovereignty" die Kostenfrage: Aufbau und Zertifizierung vollständig autarker IT-Landschaften übersteigen die Ressourcen vieler Unternehmen; die Lösung liegt im Teilen von Kosten und Risiken. Am 16. September behandelt der IT-Sicherheitstag Dortmund digitale Souveränität zwischen KI, Cyberresilienz und Sicherheitsforschung.
Spezifikationen im Überblick:
| Architektur | Träger | Technische Basis | Bewertungsrahmen |
|---|---|---|---|
| ApeiroRA | SAP + Fraunhofer ISST/AISEC | Open-Source-Referenzarchitektur | IPCEI-CIS |
| STACKIT ES³ | Schwarz Digits | OpenStack, Kubernetes | SML (4 Stufen) + BSI C5 |
| Shared Sovereignty | n/a | Kosten- und Risikoteilung | extern |
Praktische Prüfpunkte: aktuelle Provider-Abhängigkeit im Bestand, Anteil proprietärer Cloud-Dienste als Lock-in-Indikator, Open-Source-Komponenten als Migrationsbasis, Reifegrad nach SML, Eignung vorhandener Standorte als Edge-Knoten für latenzkritische Workloads.