DDR5-Server-RAM: Ranks und Belegung ohne Taktverlust

Die DDR5-Server-RAM-Vollbestückung reduziert auf aktuellen Plattformen messbar die Datenrate. Der Grund ist nicht ein fehlerhaftes BIOS und auch kein Qualitätsproblem einzelner DIMMs. Zwei Module pro Speicherkanal erhöhen die elektrische Last.

DDR5-Server-RAM: Ranks und Belegung ohne Taktverlust

Der Speichercontroller senkt deshalb den zulässigen Takt, damit Signalintegrität, Fehlerrate und Trainingsstabilität innerhalb der Spezifikation bleiben.

Die Differenz ist erheblich. Ein Intel Xeon Scalable der 4. Generation erreicht mit einem DIMM pro Kanal 4800 MT/s. Mit zwei DIMMs pro Kanal sinkt die Datenrate auf 4400 MT/s. Bei AMD EPYC Genoa reicht die Spanne je nach Rank-Aufbau von 4800 auf 4400 oder 4000 MT/s. Wer ausschließlich die installierte Kapazität betrachtet, plant am Engpass vorbei.

DDR5-Speicherkanäle liefern ihre höchste Bandbreite nicht bei maximaler Modulzahl, sondern bei minimaler elektrischer Last pro Kanal.

Warum 2DPC den DDR5-Takt begrenzt

DPC steht für „DIMMs per Channel“, also die Zahl der Speichermodule je Speicherkanal. Ein 1DPC-Aufbau belegt jeden Kanal mit genau einem RDIMM. Bei 2DPC hängen zwei RDIMMs am selben Kanal. Der Speichercontroller muss dann mehr Leiterbahnen, Kontakte, Registerbausteine und Ranks elektrisch ansteuern.

DDR5 arbeitet mit deutlich höheren Übertragungsraten als DDR4. Damit steigt die Empfindlichkeit gegenüber Reflexionen, Dämpfung und Laufzeitunterschieden auf dem Speicherpfad. Bei 2DPC verschlechtern sich die Randbedingungen an mehreren Stellen gleichzeitig:

  • Das zweite DIMM verlängert den elektrischen Pfad zwischen Speichercontroller und Modul.
  • Jeder zusätzliche Steckplatz erzeugt weitere Übergänge und Reflexionspunkte.
  • Die kapazitive Last auf Adress-, Kommando- und Datenleitungen steigt.
  • Das Speichertraining benötigt konservativere Einstellungen für Timing und Signalpegel.
  • Dual-Rank-Module erhöhen die logische und elektrische Komplexität zusätzlich.

Der Speichercontroller reagiert nicht mit einer graduell frei wählbaren Absenkung. Er folgt den vom Prozessorhersteller definierten Bestückungstabellen. Mainboard-Firmware liest beim Start die SPD-Daten der RDIMMs aus, erkennt Modulzahl, Rank-Anzahl und Kapazität und setzt daraus die zulässige Datenrate.

Ein Server mit DDR5-4800-RDIMMs kann deshalb bei 2DPC nicht automatisch weiterhin mit 4800 MT/s arbeiten. Das Modul unterstützt zwar diese Datenrate. Die Plattformfreigabe für genau diese Bestückung kann dennoch bei 4400, 4000 oder auf einer neueren Generation bei 5200 MT/s liegen.

Die Angabe auf dem DIMM-Etikett beschreibt somit nicht die garantierte Geschwindigkeit im Server. Entscheidend ist immer die Kombination aus:

1. Prozessor und integriertem Speichercontroller,

2. Mainboard und dessen validierter Speicher-Topologie,

3. BIOS- oder BMC-Firmwarestand,

4. DIMM-Typ, Kapazität und Rank-Organisation,

5. Anzahl der DIMMs pro Kanal.

DDR5-RDIMM: Ein Rank, zwei Ranks und gestapelte Kapazität

Ein Rank ist eine logisch gemeinsam angesprochene Gruppe von Speicherchips auf einem DIMM. Ein Ein-Rang-Modul, häufig als 1R bezeichnet, stellt eine solche Gruppe bereit. Ein Zwei-Rang-Modul oder 2R enthält zwei unabhängig selektierbare Gruppen. Der Speichercontroller kann zwischen ihnen wechseln und dadurch interne Wartezeiten teilweise verdecken.

Das bedeutet nicht, dass ein 2R-RDIMM grundsätzlich langsamer ist. Bei gleicher Datenrate kann die Rangverschachtelung die effektive Speicherausnutzung verbessern. Unter hoher Parallelität profitiert der Controller davon, während ein Rank intern eine Operation abschließt, bereits den anderen Rank anzusprechen.

Die Plattformgrenze bleibt jedoch maßgeblich. Zwei Dual-Rank-RDIMMs pro Kanal ergeben eine deutlich höhere Last als zwei Ein-Rang-Module. Der mögliche Vorteil der Rangverschachtelung wird dann durch die niedrigere erlaubte Datenrate überlagert.

BestückungsmerkmalWirkung auf KapazitätWirkung auf zulässigen TaktTypischer Einsatz
1DPC mit 1R-RDIMMsNiedrig bis mittelBeste elektrische BedingungenDurchsatzorientierte Datenbank- und Virtualisierungsserver
1DPC mit 2R-RDIMMsMittel bis hochMeist hohe Datenraten möglichHohe Kapazität ohne zweiten DIMM-Steckplatz
2DPC mit 1R-RDIMMsHochTaktabsenkung je nach PlattformKapazitätsausbau mit vorhandenen DIMMs
2DPC mit 2R-RDIMMsSehr hochHäufig stärkste EinschränkungKapazitätspriorität, nicht maximale Bandbreite
3DS-RDIMMSehr hoch pro SteckplatzErmöglicht hohe Kapazität bei 1DPCSpeicherintensive Systeme mit begrenzter Steckplatzzahl
MRDIMMPlattformabhängigSehr hohe Datenraten auf unterstützten PlattformenBandbreitenkritische Xeon-6-Systeme

3DS-RDIMMs sind eine Sonderform. Die Abkürzung steht für dreidimensionales Stapeln. Speicherchips werden über Through-Silicon Vias, kurz TSV, vertikal verbunden. Dadurch steigt die Kapazität je Modul erheblich, ohne einen zweiten DIMM-Steckplatz pro Kanal belegen zu müssen.

Das löst ein konkretes Planungsproblem: Hohe Gesamtkapazität lässt sich mit 1DPC erreichen. Der Speichercontroller behält damit bessere Signalbedingungen als bei einer klassischen 2DPC-Vollbestückung.

Der Preis liegt bei der Leistungsaufnahme. Messungen von Micron zeigen bei 3DS-RDIMMs gegenüber monolithischen 128-GB-RDIMMs eine um bis zu 48 Prozent höhere Leistungsaufnahme. Für einen dicht bestückten Server ist das keine Randnotiz. Mehr elektrische Leistung wird zu thermischer Verlustleistung. Diese muss aus DIMM-Bank, Luftführung und Gehäuse abgeführt werden.

Xeon und EPYC: Die Datenrate folgt der Bestückungstabelle

Die Auswirkungen der DDR5-Server-RAM-Vollbestückung unterscheiden sich nach Prozessorgeneration. Ein Vergleich der Plattformen zeigt, weshalb pauschale Aussagen wie „DDR5 läuft mit 5600“ für die Beschaffung wertlos sind.

Plattform1DPC2DPCEinordnung
Intel Xeon Scalable, 4. Generation „Sapphire Rapids“bis 4800 MT/sbis 4400 MT/sKlassische Taktabsenkung bei zwei DIMMs pro Kanal
Intel Xeon Scalable, 5. Generation „Emerald Rapids“bis 5600 MT/sbis 4400 MT/sHoher 1DPC-Vorteil, große Differenz bei Vollbestückung
Intel Xeon 6 „Granite Rapids“bis 6400 MT/sstandardmäßig bis 5200 MT/sHöhere Basisdatenrate, 2DPC bleibt begrenzt
AMD EPYC 9004 „Genoa“, Ein-Rangbis 4800 MT/sbis 4400 MT/sModerate Absenkung bei 2DPC
AMD EPYC 9004 „Genoa“, Zwei-Rangbis 4800 MT/sbis 4000 MT/sRank-Aufbau reduziert die 2DPC-Datenrate stärker
AMD EPYC 9005 „Turin“bis 6400 MT/sherstellerabhängigEinige Serverdesigns setzen konsequent auf 1DPC

Bei Sapphire Rapids beträgt der Unterschied zwischen 4800 und 4400 MT/s rund 8,3 Prozent auf Ebene der Rohdatenrate. Bei Emerald Rapids beträgt die Differenz zwischen 5600 und 4400 MT/s bereits rund 21,4 Prozent. Das ist keine kleine Abweichung in einem Datenblatt. Bei speichergebundenen Lasten reduziert sich der maximal mögliche Durchsatz pro Kanal entsprechend.

Die tatsächliche Anwendungswirkung hängt von der Last ab. Ein Webserver mit geringer Speicherdruckrate wird die Differenz oft kaum abbilden. Anders sieht es bei In-Memory-Datenbanken, analytischen Abfragen, großen Virtualisierungsclustern, Software-defined Storage und numerischen Workloads aus. Dort konkurrieren viele Kerne um denselben Speichercontroller. Jede abgesenkte Übertragungsrate reduziert die verfügbare Bandbreite.

Bei AMD EPYC Genoa verschärft der Rank-Aufbau die Entscheidung. Mit Ein-Rang-RDIMMs reduziert 2DPC die Datenrate von 4800 auf 4400 MT/s. Mit Zwei-Rang-RDIMMs fällt sie auf 4000 MT/s. Die Kapazität pro Modul kann steigen. Der Preis ist ein niedrigerer Speichertakt.

Bei Intel Xeon 6 steigt das Niveau: Bis zu 6400 MT/s sind mit 1DPC erreichbar, bei 2DPC standardmäßig bis zu 5200 MT/s. Die Plattform liefert also auch bei hoher Dichte noch mehr Rohbandbreite als frühere Generationen. Der Abstand zum 1DPC-Maximum bleibt aber bestehen. Ein Upgrade auf eine neue CPU-Generation ersetzt keine korrekte DIMM-Planung.

Die relevante Kennzahl lautet nicht „Wie viele DIMMs passen ins Chassis?“, sondern „Welche Datenrate bleibt bei der benötigten Kapazität pro Kanal freigegeben?“

1DPC planen: Kapazität pro Kanal statt Steckplätze füllen

Ein häufiger Beschaffungsfehler beginnt mit der Stückzahl: Ein Server besitzt beispielsweise 16 Speichersteckplätze, also werden 16 kleinere RDIMMs vorgesehen. Diese Logik maximiert die Anzahl belegter Slots. Sie maximiert nicht automatisch Speicherdurchsatz, Energieeffizienz oder Upgrade-Fähigkeit.

Die bessere Reihenfolge ist umgekehrt. Zuerst wird die erforderliche Kapazität definiert. Danach folgt die Kanalzahl der CPU. Daraus ergibt sich die Zielkapazität pro Kanal. Erst dann wird entschieden, ob diese Kapazität mit 1DPC erreichbar ist.

Ein methodischer Ablauf sieht so aus:

1. CPU-Generation und Kanalzahl feststellen.

Der Speichercontroller sitzt im Prozessor. Ein Dual-Socket-System besitzt zwei getrennte Speichercontroller-Domänen. Die DIMM-Verteilung muss pro CPU symmetrisch erfolgen.

2. Arbeitsspeicherbedarf unter Last bestimmen.

Nicht die aktuelle Belegung im Leerlauf ist relevant. Entscheidend sind Spitzenwerte aus Virtualisierung, Datenbankpuffer, Cache, Storage-Diensten und Reserven für Failover oder Wachstum.

3. Kapazität je Speicherkanal berechnen.

Benötigt ein System beispielsweise 1 TB über mehrere Kanäle, ist ein 1DPC-Entwurf mit größeren RDIMMs häufig effizienter als die doppelte Zahl kleiner Module.

4. Bestückungstabelle des konkreten Servermodells abgleichen.

CPU-Datenblatt und Server-Handbuch müssen zusammenpassen. Der Prozessor kann eine Datenrate grundsätzlich unterstützen, während der Systemhersteller für bestimmte DIMM-Kombinationen enger validiert.

5. DIMMs gleichmäßig und pro Sockel identisch verteilen.

Asymmetrische Belegung reduziert nutzbare Kanalparallelität. Ein einzelner zusätzlich bestückter Kanal kann die Speicherarchitektur aus dem Gleichgewicht bringen.

6. Firmware vor dem Ausbau aktualisieren.

BIOS, BMC und gegebenenfalls DIMM-Firmware müssen den eingesetzten Speichertyp vollständig unterstützen. Das gilt besonders für neue Kapazitätsstufen und MRDIMMs.

Die Aussage „1DPC ist schneller“ braucht dennoch eine Einschränkung. 1DPC liefert die beste Grundlage für die höchste freigegebene Datenrate. Die absolute Systemleistung steigt aber nicht allein durch MT/s. Kernauslastung, Cache-Trefferquote, NUMA-Topologie, Speicherzugriffsmuster und I/O-Last bestimmen mit.

Für die Serverarchitektur bleibt die Regel eindeutig: Wenn die Anwendung speicherbandbreitenlimitiert ist, darf die Kapazitätsplanung die Zahl der DIMMs pro Kanal nicht als Nebendetail behandeln.

3DS-RDIMMs: Kapazität ohne zweiten DIMM pro Kanal

3DS-RDIMMs sind für Systeme relevant, bei denen die benötigte Kapazität mit konventionellen RDIMMs im 1DPC-Aufbau nicht erreichbar ist. Statt zwei kleinere DIMMs pro Kanal einzusetzen, kann ein einzelnes Modul mit höherer Kapazität den Kanal belegen.

Das erhält den 1DPC-Betrieb und damit die höhere Datenrate der Plattform. Der Vorteil ist architektonisch klar: Ein Steckplatz pro Kanal, weniger Signalpfade, weniger elektrische Last als ein zweites DIMM.

Die Einschränkungen liegen in drei Bereichen:

  • Leistungsaufnahme: Gestapelte Speicherarchitekturen benötigen mehr Energie. Der dokumentierte Mehrverbrauch von bis zu 48 Prozent gegenüber monolithischen 128-GB-RDIMMs muss in die Netzteil- und Kühlungsrechnung einfließen.
  • Thermik: Höhere DIMM-Leistung erhöht die lokale Wärmeentwicklung. Server mit passiver Speicherluftführung benötigen ausreichend Luftvolumen und korrekt installierte Luftleitbleche.
  • Kostenstruktur: Hohe Kapazität pro Steckplatz reduziert die DIMM-Anzahl, erhöht aber meist die Kosten pro Modul. Die Beschaffung muss daher Kosten pro nutzbarem Gigabyte gegen Kosten pro verfügbarer Speicherbandbreite rechnen.

3DS-RDIMMs sind keine pauschale Leistungsoptimierung. Sie sind ein Werkzeug, um Kapazitätsdichte und 1DPC-Datenrate zusammenzubringen. Das ist besonders bei großen virtuellen Maschinen, In-Memory-Analytik oder datenintensiven Datenbankinstanzen relevant.

Ein 2DPC-Aufbau mit Standard-RDIMMs kann wirtschaftlich sinnvoller sein, wenn die Anwendung kapazitätsgebunden, aber nicht bandbreitengebunden ist. Der Architekturentscheid hängt an der Lastklasse. Nicht an der maximalen Zahl freier Steckplätze.

MRDIMM: Mehr Bandbreite braucht einen passenden Speichercontroller

MRDIMM steht für Multiplexed Rank DIMM. Teilweise wird auch MCR-DIMM für Multiplexed Combined Rank DIMM verwendet. Diese Module kombinieren zwei physische Ranks so, dass sie parallel zur Erhöhung des Datendurchsatzes genutzt werden können.

Die erste MRDIMM-Generation erreicht auf unterstützten Plattformen Datenraten von 8000 bis 8800 MT/s. Das liegt deutlich über klassischem DDR5-RDIMM-Betrieb. Der Vorteil entsteht nicht durch ein gewöhnliches Übertakten eines bestehenden DIMMs, sondern durch eine andere Modul- und Controllerarchitektur.

Die Kompatibilitätsgrenze ist strikt. MRDIMMs benötigen Plattformunterstützung durch Speichercontroller, Mainboard und Firmware. Intel Xeon 6 zählt zu den Plattformen, auf denen diese Technologie vorgesehen ist. Ein älterer Server mit LGA4189- oder Ice-Lake-Architektur wird nicht durch ein Firmware-Update zu einer MRDIMM-Plattform.

Das ist bei Upgrade-Projekten entscheidend. Ein vorhandenes DDR5-fähiges Mainboard ist nicht automatisch MRDIMM-fähig. Ebenso reicht ein passender Steckplatz nicht aus. Der Speichercontroller muss die spezifische Signalverarbeitung und das Trainingsverfahren beherrschen.

MRDIMMs adressieren primär Bandbreitenengpässe. Für jede Serverrolle sind sie daher nicht die wirtschaftlichste Wahl. Ein Storage-Knoten mit hohem Netzwerkinhalt, aber geringer CPU-seitiger Speicherlast profitiert anders als ein KI-Vorverarbeitungssystem, eine Echtzeitanalyse oder eine stark parallelisierte Datenbankplattform.

Typische Fehler bei der DDR5-Speicherbestückung

Die meisten Probleme entstehen vor dem Einbau. Sie lassen sich durch eine Bestückungsplanung vermeiden, die Kapazität, Rank-Aufbau und Datenrate gemeinsam betrachtet.

Kleine DIMMs kaufen und später alle Slots füllen

Das senkt zunächst den Preis pro Ausbauphase. Beim späteren Ausbau wechselt das System jedoch von 1DPC auf 2DPC. Die Datenrate kann fallen, obwohl mehr Speicher installiert wurde. Bei Emerald Rapids ist der Schritt von 5600 auf 4400 MT/s besonders deutlich.

Die bessere Planung reserviert Kapazität pro Kanal. Wenn der Zielausbau absehbar ist, sollte der erste Ausbau bereits auf eine 1DPC-fähige Modulgröße abgestimmt werden.

Ranks und DIMM-Zahl getrennt bewerten

Ein 2R-RDIMM ist nicht automatisch problematisch. Zwei 2R-DIMMs pro Kanal haben aber andere elektrische und logische Eigenschaften als ein einzelnes 2R-Modul. Die freigegebene Datenrate muss für die vollständige Kombination geprüft werden: Prozessor, DIMM-Kapazität, Rank-Zahl und DPC-Wert.

Nur die CPU-Spezifikation lesen

Der Prozessor definiert die grundsätzlichen Fähigkeiten des Speichercontrollers. Der Serverhersteller definiert die validierte Systemkonfiguration. Abweichungen entstehen durch Mainboard-Layout, BIOS-Implementierung, verwendete Steckplätze und qualifizierte DIMM-Listen.

Bei markengebundenen Rack-Servern ist deshalb die Speicher-Matrix des konkreten Modells maßgeblich. Ein generisches Xeon- oder EPYC-Datenblatt ersetzt sie nicht.

Speicher asymmetrisch auf zwei Sockel verteilen

Dual-Socket-Systeme benötigen eine gleichmäßige Kapazitäts- und Kanalbelegung pro CPU. Andernfalls entstehen unausgewogene NUMA-Domänen. Ein Teil der Kerne greift dann häufiger auf Speicher zu, der an der anderen CPU hängt. Das erzeugt zusätzliche Interconnect-Latenz und reduziert die planbare Leistung.

3DS-RDIMMs ohne thermische Reserve einsetzen

Hohe Kapazität pro Modul verdichtet auch die Verlustleistung im Speicherbereich. Ein Server mit unzureichender Luftführung kann unter Dauerlast drosseln oder Fehlermeldungen zur DIMM-Temperatur erzeugen. Entscheidend sind Gehäuseklasse, Lüfterbestückung, Umgebungstemperatur und die Freigabe des Serverherstellers für die konkrete DIMM-Kapazität.

Messung statt Annahme: So wird der Takt im Betrieb geprüft

Nach einem Speicherupgrade genügt es nicht, dass das Betriebssystem die volle Kapazität meldet. Kapazität bestätigt nur die Erkennung der DIMMs. Die tatsächliche Datenrate muss auf BIOS-, BMC- oder Betriebssystemebene geprüft werden.

Relevant sind folgende Werte:

  • erkannte DIMM-Kapazität pro Steckplatz,
  • Datenrate in MT/s pro DIMM oder Kanal,
  • DPC-Wert je Speicherkanal,
  • Rank-Organisation der installierten RDIMMs,
  • ECC-Status und korrigierbare Speicherfehler,
  • DIMM-Temperaturen unter Last,
  • BIOS- und BMC-Firmwareversion.

Ein System kann mit DDR5-6400-RDIMMs bestückt sein und dennoch mit 5200 MT/s laufen, wenn die 2DPC-Bestückung dies vorgibt. Das ist ein korrekter Betriebszustand, keine Fehlfunktion. Umgekehrt ist ein unerwartet niedriger Takt ein Hinweis auf eine nicht optimale Steckplatzbelegung, gemischte DIMM-Typen oder eine Plattformbegrenzung.

Für belastbare Performance-Aussagen sind synthetische Speicherbenchmarks nur der erste Schritt. Sie messen Bandbreite und teils Zugriffsverhalten unter kontrollierten Bedingungen. Die endgültige Bewertung erfolgt mit der realen Anwendung: Datenbankabfrage, VM-Dichte, Kompilierlast, Cache-Operation oder Analysepipeline.

Entscheidungsmatrix für die Serverplanung

ZielprioritätEmpfohlene BestückungErwartetes ErgebnisZu beachten
Maximale Speicherbandbreite1DPC mit freigegebenen RDIMMsHöchste Datenrate der PlattformKapazität muss pro Modul ausreichend sein
Hohe Kapazität bei hohem Takt1DPC mit großen 2R- oder 3DS-RDIMMsGute Balance aus Dichte und DurchsatzLeistungsaufnahme und Kühlung dimensionieren
Maximale Kapazität bei begrenztem Budget2DPC mit validierten RDIMMsMehr Gesamtspeicher, reduzierte MT/sTaktverlust in die Leistungsplanung einrechnen
Höchste DDR5-Bandbreite auf neuer PlattformMRDIMMs auf kompatiblem Xeon-6-SystemBis zu 8000 bis 8800 MT/s möglichSpezielle Plattform- und Firmwareunterstützung erforderlich
Ausbau eines bestehenden ServersZielkapazität zuerst, DPC danach planenVermeidet spätere TaktabsenkungBestückungsmatrix des exakten Servermodells verwenden

DDR5-Server-RAM wird nicht durch die Zahl installierter Module schneller. Entscheidend ist die Datenrate, die der Speichercontroller bei der tatsächlichen Belegung freigibt. 1DPC ist die Referenz für maximale Bandbreite. 2DPC ist ein Kapazitätswerkzeug mit definierter Taktstrafe. 3DS-RDIMMs verschieben die Kapazitätsgrenze pro Steckplatz, erhöhen aber Leistungsaufnahme und thermische Last. MRDIMMs erhöhen den Durchsatz deutlich, setzen jedoch eine dafür ausgelegte Plattform voraus.

Die saubere Reihenfolge lautet daher: Lastprofil bestimmen, Zielkapazität je Kanal berechnen, Plattformmatrix prüfen, DIMM-Typ auswählen und die wirksame Datenrate nach dem Einbau messen. Jede andere Reihenfolge produziert unnötige Taktverluste.

Häufige Fragen

Warum sinkt der Takt bei der Vollbestückung von DDR5-Server-RAM?
Zwei Module pro Kanal erhöhen die elektrische Last, was den Speichercontroller dazu zwingt, den Takt zu senken, um Signalintegrität und Trainingsstabilität innerhalb der Spezifikationen zu gewährleisten.
Was ist der Unterschied zwischen 1DPC und 2DPC?
1DPC steht für ein Modul pro Speicherkanal, während 2DPC zwei Module pro Kanal bezeichnet. 1DPC bietet die besten elektrischen Bedingungen für hohe Datenraten, während 2DPC primär zur Kapazitätserweiterung dient.
Sind 3DS-RDIMMs eine gute Alternative zur Vollbestückung?
Ja, 3DS-RDIMMs ermöglichen eine hohe Gesamtkapazität bei 1DPC, wodurch die höhere Datenrate der Plattform erhalten bleibt. Man muss jedoch die um bis zu 48 Prozent höhere Leistungsaufnahme und die thermische Belastung berücksichtigen.
Kann ich MRDIMMs in jedem DDR5-Server nachrüsten?
Nein, MRDIMMs erfordern eine spezifische Unterstützung durch den Speichercontroller, das Mainboard und die Firmware. Ein einfaches Upgrade auf einer älteren DDR5-Plattform ist nicht möglich.
Wie prüfe ich, ob mein Server mit der optimalen Datenrate arbeitet?
Die tatsächliche Datenrate sollte nach dem Einbau über das BIOS, das BMC oder das Betriebssystem verifiziert werden. Dabei sind Werte wie die MT/s pro Kanal, der DPC-Wert und die Rank-Organisation entscheidend.